Streckentagebuch · 2025-10-28
ROUTE 1 - ASHINOKO
Die im Bad zurückgewonnene Körperwärme verweilt noch sanft in meinen Fingerspitzen. Erholung, Fortschritt, siebzig Prozent. Als ich auf dem Parkplatz das Lenkrad greife, klappert das Gummiband des Spindschlüssels an meinem Handgelenk. ... Ich hatte vergessen, ihn abzunehmen. Fast hätte ich ihn versehentlich mitgenommen. Was ich jetzt brauche, ist nicht dieser, sondern der Zündschlüssel. Ich drücke den Knopf, und der Motor heult auf. Wenn ich ins Auto steige, werde ich gewissermaßen als eine etwas andere Person wiedergeboren... so sollte es jedenfalls sein. Wahrscheinlich.
„Alles bereit.“ In der gelben Kabine neben mir sehe ich, wie meine Partnerin den Daumen hebt. Zwei Motorengeräusche überlagern sich im morgendlichen Hakone. Je weiter wir auf der Route 1 hinauffahren, desto dichter wird das Grün, und der Himmel vertieft sich von einem blassen Hellblau zum Blau des Sees. Beim Schild für den Hakone-Pass nicke ich leicht. Eine Gewohnheit. Das Weiß des Dampfes liegt bereits hinter mir. Dieses Mal wähle ich das Blau des Sees.
Durch das Tor, auf die Ashinoko-Skyline. Die morgendliche Kammstraße hat auf beiden Seiten Himmel. Die weiße gestrichelte Linie am Fahrbahnrand sieht heute aus irgendeinem Grund wie Noten aus, und ich singe sie mit meinem rechten Fuß nach, während ich mit dem Lenkrad meinen Atem beruhige. Das gelbe Auto vor mir lässt die Warnblinkanlage einmal kurz aufblinken. Das Signal für die Melody Road. Ich halte eine konstante Geschwindigkeit und lausche. ♪ Fu, ji, wa, ni, ho, n... Mein Mund folgt wie von selbst dem Text, ich komme in Fahrt, versuche zu harmonieren und treffe grandios daneben. „Dieser Halbton gerade eben, wo kam der denn her?“ Meine Partnerin lacht über Funk. Da ich eine ernsthafte Person bin, antworte ich ernsthaft. „Der Nach-dem-Bad-Effekt. Meine Tonlage hat sich gedehnt.“ „Ist das Physik? Oder Psychologie?“ ... Ich denke darüber nach und schweige ernsthaft. Der Wind vom Bergkamm kühlt meine Wangen, und das Blau zieht mir bis tief in die Augen. In einer Kurve mit weitem Ausblick zeigt sich der Fuji für einen kurzen Moment. An den weißen Gipfel reiht sich die Oberfläche des Sees wie ein einzelner Faden. Mein Herzschlag ist ruhig, aber nur meine Augen sind beschäftigt. Ich atme abwechselnd Weiß und Blau ein und schicke sie zur nächsten Kurve weiter.
Den Kamm hinunter, von Kojiri zum Seeufer. Die Wasseroberfläche ist nah. Das rote Torii des Hakone-Schreins erscheint durch den dünnen Nebelschleier und verschwindet wieder. Fast werde ich in die Schlange der parkenden Autos hineingesogen und schalte hastig den Blinker wieder aus. „Wollen wir anhalten?“, fragt meine Partnerin. „Nein, jetzt drehen wir unsere Runden. Den Göttern werde ich später Bericht über das Blau erstatten.“ Während ich das ernsthaft sage, bemerke ich meinen eigenen Fehler. Weil ich den Hebel so fest gepackt hatte, als würde ich die Zähne zusammenbeißen, spritzte das Wischwasser zischend heraus. Durchsichtiges rinnt über die Windschutzscheibe, und ich erstarre. Das Lachen meiner Partnerin erklingt über Funk. „Keine Sorge, das ist weder ‚heißes Wasser‘ noch ‚weißer Rauch‘. Einfach nur durchsichtig.“ Ich nicke ernsthaft. „Ja. Das Durchsichtige ist unter Kontrolle.“ Wir beide prusten los und geben synchron Gas. Auf der Südseite des Sees biegen wir auf die Ekiden-Gerade ein. Die Fahrbahn ist eine einzige Linie, der Ton eine Linie, die Sicht eine Linie. Die blaue Fläche und die weiße Linie schneiden geradewegs durch die Mitte meiner Brust. Tief einatmen, flach ausatmen. Das Heck meiner Partnerin macht vor dem Takt einen kleinen Sprung.
Noch einmal der Aufstieg zum Hakone-Pass. Ich schalte einen Gang herunter. „Letzte Runde, nur für das Gefühl.“ Sage ich zu niemandem Bestimmten und richte meinen Rücken auf das Lenkrad aus. Blau habe ich genug eingeatmet. Das Weiß habe ich zu meinem Verbündeten gemacht. Das Durchsichtige habe ich in Lachen verwandelt. Geordnet, Fortschritt, hundert Prozent. Als wir die letzte Kurve hinter uns lassen, blitzt der See wie ein Schwert. Einmal Zwischengas, und ich lasse den Motor leise abtouren. Zweimal Warnblinken. Meine Partnerin zieht gleichauf und lässt das Fenster ein wenig herunter. „Was kommt als Nächstes?“ „Die Halbinsel. Am Rand des Meeres biegen wir den Wind zweimal.“ „Verstanden. Wir nehmen das Blau mit, zum Weiß der Gezeiten.“ Meine Partnerin kneift die Augen wie eine Katze zusammen und setzt zuerst den Blinker. Auch ich nicke ernsthaft. Der Spindschlüssel an meinem Handgelenk schwankte leicht im Spiegel. — Blaue Runden, abgeschlossen. Fortschritt, hundert Prozent.