Streckentagebuch · 2025-10-24
Sea Firefly
Heute Nacht richte ich die Nase meines Motorrads auf die Bucht.
Die Lichter am Ufer ziehen unzählige lange Lichtlinien über das dunkle Meer. An der Mautstelle senkt sich die Schranke, und ich krame in meiner Tasche. ... Heute Nacht habe ich keine Karte dabei. Der Nachtrabatt gleitet mir durch die Finger, und mit einem leichten Schmollen zahle ich den vollen Normaltarif, in bar. Eine schmerzhafte Ausgabe, Fortschritt: hundert Prozent. Ein Seufzer in die Nacht.
Reifenqualm im Kopf, mein Herz überdreht. Trotzdem weiche ich nicht von meiner Linie ab. Noch ein Dreh am Gasgriff, und der Tacho wird dunkel, mein Blick und die Straße liegen schnurgerade in einer Linie.
—Mit diesem Schwung verpasste ich die Abzweigung. Bevor ich das Schild für den Parkplatz bemerkte, war ich schon vorbeigefahren, und der Unterseetunnel verschluckt mich mitsamt dem Himmel. „Das darf nicht wahr sein.“ Meine Stimme hallt an Chrom und Kacheln wider. Ein sommerliches Camisole und ein Rock sind hier unten auf dem Grund des mitternächtlichen Meeres viel kälter, als ich dachte. Aber ich beruhige meinen Atem und lache. Mein langes Haar weht im Wind, tief in meiner Brust bleibt es ruhig. Keine Panik. Die Mautstelle, die ich hinter mir gelassen habe, hat sich bereits in einen winzigen Zeitfunken verwandelt.
Da wurde es mir klar. An dem Parkplatz vorbeigefahren zu sein bedeutet, dass das Rückfahrtor auf mich wartet – und ich den vollen Preis noch einmal zahlen muss. ... Mein Bargeld wird also in Tränen umgetauscht. Trotzdem zieht mich dieses leuchtende Zeichen auf der anderen Seite der Bucht immer weiter nach Hause. Ein einziger am Nachthimmel, mein Stern, mein Meeresleuchtkäfer. Selbst wenn ich daran vorbeifahre, werde ich sein Licht auf dem Rückweg einfangen. Also lasse ich die Nacht weiter leuchten, gleite mit dem Strom und kehre heim, dem Glanz entgegen.